Sonntag, 12. November 2018, 17 Uhr

Quel monstre voy-je là? – Alte und Neue Musik zur Vergänglichkeit

Hanna Järveläinen, Mezzosopran
Jan Thomer, Countertenor
Daniel Manhart, Tenor
Christian Villiger, Bariton
Jedediah Allen, Bass

Sylvain Chauveau, Live-Elektronik

Seit über einem Jahrzehnt überrascht das Vokalensemble chant 1450 mit innovativen Projekten. Diese Projekte kontrastieren Alte Musik mit aktuellen musikalischen Strömungen und leben gleichermassen von fruchtbaren Gegensätzen wie überraschenden Gemeinsamkeiten. "Quel monstre voy-je là?" verbindet Musik der Reformation mit elektronischen Kompositionen des französischen Künstlers Sylvain Chauveau. Die zentrale Thematik der "Vergänglichkeit alles Irdischen" steht dabei im Zentrum. Zusätzliche Aktualität gewinnt die Veranstaltung durch das 500jährige Reformationsjubiläum, das dieses Jahr gefeiert wird.

Die Vergänglichkeit (lateinisch "Vanitas") ist ein zentrales Thema des Barocks. Die Gedichte von Andreas Gryphius zum Dreissigjährigen Krieg (1618 - 1648) oder die Stillleben von Pieter Claesz mit ihren Totenschädeln, Sanduhren und dergleichen illustrieren einen sich in der Neuzeit zuspitzenden Konflikt: Das menschliche Selbstvertrauen, im Humanismus der Renaissance gewachsen, sieht sich ohnmächtig dem Niedergang alles Materiellen und dem Tod gegenüber. Schon im 16. Jahrhundert gibt es bedeutende Kunstwerke zur Vanitas, vor allem in den reformierten Regionen Frankreichs. Zu nennen sind zum Beispiel die Octonaires de la vanité du monde (1582) von Pascal de L' Estocart (c1539 - c1584). Die Texte referieren in bildhaften Vergleichen die Entsagung von der materiellen Welt und ihren Versuchungen - für den Komponisten eine willkommene Gelegenheit zu klangmalerischer Wortausdeutung in der Art der italienischen Madrigale jener Zeit. Eine typische Textzeile dieser Gedichte gibt dem vorliegenden Programm seinen Namen: "Quel monstre voy-je là? Le monde, le monde!“ - Übersetzt ungefähr: "Welches Ungeheuer sehe ich da? Die [materielle] Welt [und ihre vergänglichen Güter]!" Die Octonaires bieten 50 Stücke zum Thema der Vanitas, chant 1450 singt eine Auswahl daraus für drei, vier und fünf Stimmen.

Neben den Octonaires von Estocart erklingen Stücke mit Bezug zur Vanitas aus dem Kernrepertoire der frankophonen Reformation, dem sogenannten Genfer Psalter.

Erweitert wird dieses Repertoire des 16. Jahrhunderts durch die elektronischen Stücke und Live-Improvisationen von Sylvain Chauveau, einem Ambient-/Electronica-Künstler aus Frankreich. Seine Stücke im Programm Quel monstre voy-je là ? versuchen, die klingende Brücke zum Heute zu schlagen und die Vergänglichkeit mit zeitgenössischen Mitteln hörbar zu machen: textlos, improvisierend, ganz vom Klang ausgehend. Das Zusammenspiel der weit voneinander entfernten musikalischen Welten zum Thema Vanitas soll so ein klingendes, farbiges Gesamtbild erzeugen, das diesen Begriff von ganz verschiedenen Gesichtspunkten aus beleuchtet.

Wie diese Zusammenarbeit klingen könnte, zeigt die folgenden Ausschnitte aus der neuen CD "echoes of harmony - early music reworked" von chant 1450 mit Sylvain Chauveau, die noch 2017 erscheinen wird:

Ausschnitte aus "echoes of harmony"

Website von chant 1450

Website von Sylvain Chauveau